Tipps für ein besseres Miteinander:
Missverständnisse vermeiden

Schließe nicht von dir auf andere!
Das weiß ich doch längst!, wirst du jetzt sagen. Dieses Sprichwort wird häufig in allen möglichen Kontexten verwendet. Gerade in der Kommunikation ist es aber besonders wichtig, sich genau das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen: Mein Gegenüber agiert nicht genauso wie ich.
Doch warum ist das eigentlich so wichtig?
Ich will dir eine Geschichte erzählen. Sie handelt von mir. Ich bin ein grüner Typ Mensch, das bedeutet: Ich bin eher zurückhaltend, ich brauche immer eine Weile, bis ich auftaue und mit fremden Menschen ganz unbeschwert umgehen kann. Gleichzeitig bin ich aber auch sehr auf Harmonie bedacht und es ist mir wichtig, dass sich alle gut miteinander verstehen. Ich mag Streit nicht besonders gerne und kann nicht gut damit umgehen, wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand anders nicht mag. Das verletzt mich und führt dazu, dass ich an mir selbst zweifle.
Eine Freundin von mir ist ein blauer Typ Mensch, das heißt: eher faktenorientiert. Sie legt viel Wert auf Genauigkeit, sagt aber oft nicht mehr, als unbedingt nötig ist. Zwischen uns kommt es häufig zu Konflikten. Ich schreibe ihr eine ellenlange Whatsapp-Nachricht, in der ich mich nach ihrem Befinden erkundige, mit Smileys um mich werfe und mehrere Fragen stelle, unter anderem die, ob wir heute Abend was zusammen essen gehen wollen. Uhrzeit und Treffpunkt schlage ich auch vor und frage sie dann noch, ob sie mit Italienisch einverstanden ist oder ob wir lieber woanders essen gehen sollen. Und von ihr kommt das zurück: ok.
In meinem Gehirn fängt es jetzt an zu arbeiten. Ich denke mir: Wenn ich jemanden ein "ok" schreibe, dann bin ich sauer. Sonst würde ich ja noch irgendwas Nettes schreiben, das der anderen Person zeigt, dass ich sie mag oder dass ich mich auf das Treffen freue. Oder wenigstens einen Smiley machen! Aber "ok", das bedeutet Warnstufe Rot. Absichtliches Ignorieren!
Und schon ist mir klar: Sie muss sauer auf mich sein. Sonst würde sie ja nicht so kurz angebunden antworten. Oder etwa nicht?! Vielleicht hat sie auch gar keine Lust, sich mit mir zu treffen, aber fühlt sich dazu verpflichtet, weil ich mich ihr aufgedrängt habe... Aber ich kann sie nicht fragen, ob dem so ist, denn womöglich bejaht sie dann und dann muss ich damit klarkommen, dass sie mich nicht mag... Also sage ich am besten gar nichts.
Abends bin ich zur verabredeten Zeit am Treffpunkt, sie kommt auf mich zu, lächelt und sagt: "Super, dass wir uns treffen! Wurde mal wieder Zeit!" Und wir verbringen einen sehr schönen Abend mit gutem Essen und interessanten Gesprächen. Und zum Abschied sagt sie: "Das war sehr schön. Ich freue mich immer total, wenn du dich meldest. Deine Freundschaft bedeutet mir echt viel."
Was lernen wir daraus? Ich habe mich völlig umsonst verrückt gemacht. Und das nur, weil ich davon ausgegangen bin, dass sie genauso kommuniziert wie ich. Aber das tut sie nicht. Sie hat sich meine lange Nachricht durchgelesen, hat sich über alles gefreut und die eine Frage beantwortet, die ihr am wichtigsten erschien: nämlich die, ob wir heute Abend was machen. Und das "ok" war keineswegs abwertend gemeint, sondern nur ein Ausdruck dafür, dass sie allem zustimmt, was ich geschrieben habe.
Und so ist es eben oft im Leben. Wir schließen von uns auf andere und fragen uns, was es zu bedeuten hat, wenn jemand sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält. Und da wir nur auf unsere eigenen Erfahrungswerte zurückgreifen können, gleichen wir das Verhalten mit genau denen ab. Und gar nicht so selten führt das dazu, dass wir etwas vollkommen falsch interpretieren.
Deshalb: Lass das einfach! Mach dir bewusst, dass dein Gegenüber nicht so ticken muss wie du. Dann gehst du entspannter durchs Leben, es entstehen weniger Missverständnisse und deine Beziehungen werden davon profitieren.